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„Weihnachten wie´s damals war“  / Adventkranz 2 bearbeitet /

„Weihnachten wie´s damals war“

Dieses mal möchte ich euch mitnehmen ins Jahr 1952, in meine Kindheit. Ich möchte euch erzählen wie wir damals Weihnachten feierten. Vieles was heutzutage selbstverständlich ist, gab es damals einfach nicht, und trotzdem hatten wir es schön und Weihnachten war etwas ganz Besonderes.

Ich erlebte eine wunderschöne Kindheit in und mit meiner Großfamilie – Eltern, 5 Kinder und 1 Oma. Nach den Kriegsjahren  lebten wir wie so viele sehr bescheiden und einfach, aufgebessert durch Obst und Gemüse aus unserem großen „Kellergarten“ und die Hühner, Ziegen und Hasen wurden von der Großmutter gehalten und halfen uns über die Runden. Meine Mutter war die Expertin in der Küche und zauberte aus dem Wenigen, das Küche, Keller und  Garten lieferte, einfachste und schmackhafte Gerichte. 
 
Adventkranz 1 bearbeitetMit strahlenden Augen sitzen wir um unseren Adventkranz. Die schönsten Kindheitserinnerungen habe ich an die stimmungsvolle Adventzeit und die Weihnachtstage. Täglich um 6.00 früh stapften wir in der kalten Finsternis durch den knirschenden Schnee in die Pfarrkirche, entzündeten unsere mitgebrachten „Drehdochte“ und sangen Adventslieder. Welche warme Kleidung hatten wir damals? Weder gab es Strumpfhosen, noch lange Hosen, keine Anoraks – wir Mädchen trugen selbst geschneiderte Flanellkleider, Strümpfe – die ständig rutschten, dick gefütterte Unterwäsche und für die Buben, auch im Winter ,Lederhosen.  Heizung in der Kirche gab es nicht! Daher – wieder zuhause – herrlich der Kakao zum Aufwärmen und dann gings ab in die Schule! 
 
Nikolaus Und…wir machten Hausmusik! Geige, Altflöte, Flöte, Harmonium, Querflöte und Trompete –Abends setzten wir uns um den Adventkranz und spielten Advents- und Weihnachtslieder. Ach ja und unsere Mutter war die Sängerin!  
 
Nikolaus und Krampus...
war ein besonderes Fest – schon Wochen vorher mit drohendem Zeigefinger angekündigt: „Wenn du nicht brav bist, der Nikolaus sieht alles!“ Am 6. Dezember war´s dann soweit. Bruder Franz erklärte vorher noch großspurig: „Ich fürchte mich nicht vorm Krampus und wenn er kommt, dann fängt er mich nicht!“ Es klopft, die Eltern öffnen die Türe und lassen den hohen Gast herein. Aber wo ist Franz? Weit hinten unter dem Bett versteckt – aber Pech - der Krampus findet ihn! 
 
Die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest waren für uns Kinder etwas ganz Besonderes – aus vorhandenen  Kletzen (wie selbst getrocknete Apfel- und Birnenspalten, Zwetschken und getrocknete Weintrauben) wurde die Fülle des Früchtelebkuchens zubereitet. Wir durften beim Ausstechen der einfachen Kekse helfen, die wir mit selbstgemachter Marmelade zusammensetzten. Grammelbäckerei, Rumnusskugeln und Eisschokolade (im Schnee gekühlt) wurden vorbereitet und anschließend die gefüllten Dosen und Schachteln mit dem Gebäck weit oben auf dem Küchenkasten bis zum Christtag versteckt. Ha ha, natürlich wussten wir das!  
 
Am 24. Dezember wurden wir mit einem Glöckchen in die gute Stube gerufen, unsere Augen und die Kerzen am Weihnachtsbaum glänzten um die Wette. Es wurde musiziert, Geschichten erzählt, Vorgelesen und dann durften wir unsere Weihnachtsgeschenke suchen: selbstgestrickte Socken und Stutzen, selbstgenähte Kleider, Bücher, Puppen, und einmal für meine Schwester in späteren Jahren auch ein rotes Fahrrad.  
 
Unsere Tante erzählte, ihr Geschenk unterm Christbaum war eine Puppe, die sie vom 1. Augenblick an liebte. Nach dem Weihnachtsfest war die Puppe verschwunden - bis zum nächsten Jahr, wo sie wieder unterm Christbaum für meine Tante lag. Unser Weihnachtsmenü war ebenfalls aus Eigenem aus Küche, Garten und Keller zubereitet: Geflügelsuppe, gebratene Gans mit Knödel, Blaukraut und Ribisel, und die spezielle Nachspeise waren Obstsorten wie eingeweckte Birnenspalten, eingelegte Pfirsiche und Kirschen. Und endlich durfte auch die herrliche Bäckerei gekostet werden. Es war ein einfaches aber sehr schönes Fest.  
 
Heute – das Jahr 2020 im Advent: Pandemie – Corona – hohe Infektionszahlen – Quarantäne – Ausgangssperre – Lock down – Contact Tracing – der Advent im Jahr 2020.  
 
Keine Christkindlmärkte, Firmenweihnachtsfeiern, Weihnachtsshopping im herkömmlichen Sinn,… Wie können wir trotz all der Beschränkungen unser Weihnachtsfest vorbereiten und feiern?  Vielleicht bietet uns das Jahr 2020 neben all der „Einschränkungen“ auch neue „Möglichkeiten“ Weihnachten mal „anders“ zu feiern bzw. neu zu „erfinden“?  
 
Wir könnten es zum Beispiel als „Einladung“ sehen die Stille und Einfachheit der Weihnachtszeit von damals wieder mehr in unser Leben zu bringen. Den Konsumwahn, Sonderangebote, Geschenke heuer einfach mal auszulassen bzw. eine „Pause“ einzulegen. Wir könnnen dieses Jahr ganz einfach und bewusst der Hektik entkommen. Selbst kochen, basteln, musizieren so wie Früher. Das Miteinander wird zwar dieses Jahr zu Weihnachten etwas anders sein, aber nutzen wir doch die Möglichkeiten der neuen Medien dafür um trotzdem in Kontakt zu bleiben und gemeinsam zu feiern.    
 
Alles Liebe und frohe Weihnachten,
Eure Gerti 

 
Gertis Weihnachtsrezept von damals:  

Gefüllter Lebkuchen nach Omas Art

Lebkuchen Fertiger oder selbst hergestellter Lebkuchen 
 
Fülle: Kletzen (getrocknete Birnen, Feigen, Zwetschken), Apfelwürfel, kandierte Früchte, eingeweichte Jostabeeren, Nüsse, Mandeln, Zimt, Ribiselmarmelade, Zitronen- und Orangenschale und -saft 
 
Auf den ausgerollten Lebkuchenboden die Fülle aufstreichen, mit 2. Teigplatte überdecken und backen. Mit Punsch- oder Zitronenglasur überziehen. 

Ich wünsche Euch ein gutes Gelingen!
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